Nick Mancuso hört mit dem Schauspielen auf - Hotel Praha

( von C.J. O’ Connor - 10. Juni 1999 )

Charles Baudelaire schrieb, dass es da zwei konkurrierende Impulse in jedem menschlichen Exemplar gibt: den einen zu Gott, den anderen zum Teufel. Schüchtern, sechs Monate vor dem Ende des Jahrhunderts, könnte seine Maxime genauso niedergeschrieben werden: “Da sind in jedem Schauspieler zwei konkurrierende Impulse: einen zu Dionysus, der andere zum Dollar.”

Sich verbeugend vor ihrem Beifall, der eine Nick Mancuso. Junge Hoffnung des lokalen Untergrund-Theaters der 70er, umkreiste er bald das Gravitationsfeld Hollywood´s und wurde prompt in 25 Jahre des Ruhms hineingesaugt. Arthur Hiller, Raquel Welch, und geschätzte 60 Filme und seine eigene NBC-Serie genannt Stingray kamen dazu, aber dieser übellaunige alte Impuls, Kunst, stachelte ihn weiterhin an.

Teilweise aus einem Drang nach psychischem Überleben, schrieb Mancuso Hotel Praha, seine Kafka-artiger Alptraum-für -Einen, welcher letzten Abend Premiere feierte -- in einer Art von Rückkehr zu ästhetischer Unschuld -- hier in Toronto.

“Ich blieb dabei stolz auf mich zu sein -- in dem Glauben, dass eine Menge talentierter Kerle nach Hollywood gegangen sind, exakt zwei Sekunden dort blieben und abgehauen sind,” grübelt Mancuso darüber immer noch in Tinfoiltown zu sein, aber kein Teil davon zu sein. “Fitzgerald und Clifford Odets dranken sich selbst zu Tode, Hemingway -- der härteste Mann des 20.Jahrhunderts -- stieg selbst aus und Brecht ging wieder nach Ost-Deutschland zurück, von allen Orten, besser als in Santa Monica zu leben. Es ist ein furchtbarer Ort, aber interessant. Falls du irgendeinen Dämon in dir trägst, bringt es ihn richtig heraus. Also, ja, ich habe dort eine Menge gelernt ebenso Überlebenshilfen.”

Und Hotel Praha handelt nicht nur von Nick Mancuso´s Überleben.  Brütend über zwei Film-Drehs in einer sich schnell verändenden Tschechoslowakei (“es zu beobachten, wie es von sowjetischer Unterdrückung über Nacht zur “McDonaldisierung” überging war als würde man beobachten, wie sich Frankenstein eine Sonnenbrille und Bermuda-Shorts anzieht”), ist es ein mit freizügig gesprochenen Worten geartetes Portrait eines amerikanischen Touristen, der nicht nur in einem Prager Hotelzimmer eingeschlossen ist, sondern in einem grösseren, zyklischen Alptraum der Geschichte.Und draussen, so wie die Tschechen mit ihrem 1984 für eine mutige neue Welt handeln, versucht Mancuso zu verwerfen, was er für ein totes System von Worten hält,dass für gut gehalten wurde, eine Redewendung, die sich selbst erschaffen hat. Trete hinein ins “psychologue”.

“Es ist keine Poesie und es ist kein Drama,” erklärt er. “Ein Drama kann nur mit einem eingebauten Konflikt existieren. Der Konflikt (in Hotel Praha) ist innerhalb der Innen-Welt des Sprechers, aber dann ist es kein Monolog, denn ein Monolog steht im Zusammenhang mit einer realistischen Situation.”

“OK, dann,” zuckt er mit den Schultern, “was ist es? Nun, es ist diese andere Form die zwischen einer Vorstellung und dem gesprochen Wort existiert. Darüber hinaus, kann ich es nicht definieren ausser zu sagen, dass es, so hoffe ich, etwas Ursprüngliches ist.”

Diese alte historische Dialektik, obwohl sie ohne Rücksicht ist, und so wie Gegensätzlichkeiten verschmelzen und Paradoxa zu so viel dichtem Staub zerbröckeln, so wird nur ein Schauspieler die Rolle einnehmen, bezeichnet als Nick Mancuso. Wird es der Nick Mancuso sein, der die Bretter von Stratford betrat oder der Nick Mancuso, der Wild Palms und Under Siege machte; der Ästhet, der Italien´s Polifemo F´argento Preis gewann und gern Verweise zu Ouspensky und Marx verwendet oder der Mainstreamer, der die Hauptrolle als Partner von Kim Basinger und Michelle Pfeiffer spielte? Jüngste Omen geben kein Zeichen -- er geht zurück zu einer TV-Serie, aber dann wiederum, ist es in dem ehrwürdigen amerikanischen Klassiker Call of the Wild, und Nick verschenkt nichts von seinem inneren Quecksilber.

“Gurdijief, sagte in einer seiner Lektüren, ´Wenn du ein Schauspieler bist, höre unverzüglich auf!´ krächzt Mancuso, die Finger zur Betonung in die Luft stoßend. “Er sah das Schauspielern, paradoxerweise, als einen Weg, weder deinen Platz in einem größeren Film zu realisieren oder das genaue Gegenteil davon zu tun, was es ist wo wir jetzt gerade sind. Wir benutzen es wie eine Droge und als Einschlafhilfe, und ich glaube förmlich, dass die wahren Schauspieler heute diejenigen sind, die nicht schauspielern, sondern in die Realität hinabsteigen.”

So, welchen Weg trottest Du entlang, Nick? Nach links zu Teufeln, Dollars und Dekadenz, oder auf der anderen Straße nach Wer-Weiß-Wohin?

Mancuso stoppt, fixiert den Interviewer mit einem Grinsen, als wäre er selbst wie einer der rätselhaften Ehrenwerten der alten georgischen Mystiker, und lacht.

“Mr. Mancuso,” intoniert er, “sagt, dass er nicht schauspielert.”