Moscow Dog

( von Nick Mancuso )

Primo tempo

Wuff! Wuff! Wuff. Alles begann, um
Mitternacht
Dieser Alptraum begann. So etwas wie “krani, kranski
krasogni” kommt von Lenin´s Lippen, dort
steif liegend wie Pappe
Lernt! Lernt! Lernt! sagt er.

Wer sind wir von Ihm zu
lernen? Gescheiterter Anwalt nach 70 Jahren immer noch steif
Tot mit 55, aber für die Ewigkeit jung erhalten
Wie ein Ballon,
Nur ein weiterer mumifizierter Leichnam im
Herzen des Kremls, im Herzen von
Moskau dem
Herzen von Mütterchen Russland, im Innern eines kristallenen
Grabmals.
Wer sind wir zu lernen?
Von einer weiteren Mumie, einem Kadaver aus Wachs
and Lippenstift aus Formaldehyd und gedörrtes
Fleisch!
Oh Mütterchen Russland, dies alles hört sich mehr an wie
krasni! krasni! krasni! Von ihm?
“krani, kranski, krasogni!”
Deine Glocke ertönt nicht mehr.

Sie liegt in verfaultem Fleisch ...
deren Klötze goldglänzend poliert mit berührender
Perfektion.
Oh Lenin! Leichnam.

Und Reiben und Küssen und Umarmen
Versuchen den toten aber immer noch
brennenden Körper zu wärmen
den eines lange toten Soldaten,
Eines lange toten Mannes,
In einem lange toten Land ...
In einem dunklen Anzug. In Uniformen ...

Wir gehen in Kreisen, Tanya, Valentin & ich
Gehen gigantische Kreise auf dem Roten Platz,
wie ein Inferno
Der Klang von tausenden Füßen gegen Dosen
tretend hier und von russisch-amerikanischem
Rock ´n Roll dort
& leere Flaschen, & ein rasselnder und unheimlicher
Mißklang von marschierenden Füßen, von Gesichtern,
zerwühltes grau & rot, Hosen Schuhe Orden
eine Armee der Humanität marschiert
voran bis zum Ende
In dieserverbitterten ... kalten Welt.
Eine Blaskapelle spielt weiter. Um Pa Pa! Um Pa.
Pa!

Mein Übersetzer Sasha scherzt mit mir -
“Denkst D
Daß sie seinen Schwanz aufbewahrt haben? Glaubst Du
Daß er wieder aufsteht?” - Lenins Gehirn so erklärt er
wurde von der Wissenschaft in transparente Scheiben
geschnitten
Bewahrt für die Zukunft wenn die Wissenschaft
Eines Tages verstehen wird was
Lenin so großartig gemacht hat.
Was ist mit seinem Schwanz, ist dieser ebenfalls
zerschnitten worden?

“Ich liebe Russland!” Ruft er
“Ich liebe Mütterchen Russland!” Ich kann nichts
Anderes von dem Gebrüll hören.

Lenin! Leichnam!
Genie, Gründer einer Nation von Heiligen
& Säufern, von Poeten, die sich immer selbst
im Winter
aufgehangen haben! Von Statuen in den Parks, Lenin!
Leichnam!
Gefrorener steifer Karton-Phallus unter dem starrenden
gelangweilten Blick der uniformierten
Wachen, “Ruhe!” schreit einer von ihnen
Die Ehrengarde ist für immer fort
Ruhe! Flüstern Sie nicht!
Respekt!
Respekt!
Können Sie nicht sehen, dass der Mann schläft!

So viele Jahre nach der Revolution,
die die Welt erzittern lassen wollte, schläft Lenin
weiter
Wo sich nichts ändern würde, vollziehen
wir
eine weitere Revolution nach
Während all dieser endlosen Jahrhunderte der
Revolutionen
Der Engel-Männer, die auf gefrorenen
Steinernen Gefängnisböden schliefen
Nass vom Blut ... dass nie wieder schlief.
Für was? Ich denke ... er schläft ...

“Verändere ich mich? Veränderte ich mich?
Veränderten wir uns?”
Ich biete Valentina eine kleine grüne Flasche
mit billigem georgischen Sekt an, die ich für
meinen Geburtstag bekam.
Etwas zu feiern ... weint sie ...
bietet sich bei ihr selbst an.
Ich fange an mich alt zu fühlen, zu mumifizieren wie
Vladimir, nur ein weiterer alternder amerikanischer
Tourist, der blöde Fragen stellt.

Nun, da du deine
Wertlose Hülle hier auf Erden
Gelassen hast
War es das wert?
Warst du 666?” wie sie es behaupteten?
Oder war es dieser andere
Dieser Priester aus Georgien
Der sein Land wiederum allzu gut liebte?
Lenin! Vladimir Iliych Lenin!” Leichnam!

In einer Menge von Schlägern und Rüpeln,
unter die wir uns mischten
“Ich liebe dieses Land
Ich liebe Russland,” er ist betrunken, dort  zwischen
den ersten unter diesen
eingebildeten Schlägern in deutschen
Autos, alles ehemalige KGB-Männer & die
Zigarettenverkäufer
Sie verkaufen einzelne Zigaretten,
Unanständige Schlüsselanhänger, alte Postkarten,

Eine schlaffe Essiggurke, eine halbe Flasche Coca-Cola.
Habt ihr nichts verändert Kameraden?
Bistro! Bistro! Mushu! Mushu! Wie solche
hungernden napoleonischen Bettler! Hat denn
nichts wirklich die Geschichte verändert
Kameraden?

Die Revolution ist mit 14 tot, nicht 65 - ein winziges
Heldengrab
In Mütterchen Russland´s aus der Brust gerissenem Herzen
Begraben, bei den Kreml-Pinien ausserhalb der
höchsten Mauer
Sitzend, wartend sich wieder zu erheben, bloß ein Kind.
Armes Kind.
Ein Hauch von Rauch, der sich kräuselt und
sich in die bläuliche Luft hinein auflöst ...

Ich schreibe und schreibe und schreibe
Lerne, & lerne & lerne
Was lerne ich? Was schreibe ich?
“Wuff, wuff, wuff!”
An der Kreml-Mauer sehe ich hinab
Hinunter zu dem Grund eines Hügels.
Und zu dem Ende der Welt, ich weine.

Was lernen wir von diesem sanften regelmässigen
Sommer-Schnee? Von diesen Flusen, die
Wie ein Wirbelsturm über die sanfte frühe Frühlings-
Nacht hinwegfegen, wie gespenstischer Schnee? Erinnerungen des
Winters ...
Was lernen wir?

Secondo tempo

In strahlendem heissen
Sonnenlicht malt Micha 666 auf den
Tankdeckel seines Lada, “das ist es wer
Stalin war” schreit er “er aß uns, lebend
und roh, wie Hering! &
Schlitzt seine Kehle, er hat eine gebrochene Stimme
er gestikuliert und lacht, sein gebrochener Mund
fast zahnlos, ich sehe Kinder auf dem Schoß
von Tolstoi´s Giganten sitzen, hinter seinen massiven
Schultern
Stein-Statue im Park, spielt wie die
KInder
Sie spielen und machen eine Rutschbahn aus ihm.
Oh kleiner Vater. Stalin. Wo ist Stalin?
Wo haben sie ihn versteckt?

“Nichts funktioniert hier in Russland” sagt
Tanya, “Alles arbeitet und arbeitet nicht
kannst du es denn nicht sehen? dann
würdest du über alles ... weil ...
Wir arbeiten nicht!” & Micha wollte sein
geparktes Auto nicht für lange verlassen,
damit es keiner stiehlt
Warum hast du dich überhaupt über das Sterben geärgert
Vladimir?
Was war dein Standpunkt? Welch eine Verschwendung!
Was???
Warum sich über den Tod ärgern, kleiner Vater
Kamerad?
Warum hast du
Uns geärgert, uns beigebracht wie man stirbt?”
Lerne! Lerne! Lerne!
So jung.
Bistro! Bistro! Mushu Mushu!
lerne lerne lerne ...

Mit 44, ist Andrea groß
Und schlank, intelligent und liebenswürdig, eine
Biochemikerin
Sie arbeitet als Schuhverkäuferin ...
Aber ich beobachte wie ihr Herz täglich durch die
Nachrichten bricht
Die Schläger schmeissen den Laden ... sagt sie

“Nun was war der Punkt von all diesem Lernen
fragst du?” Sagst du es mir, mein so
ernster amerikanischer Freund? Wir sitzen in ihrer
Küche, importierte holländische Zigaretten
rauchend. Nach dem Abendessen, Worum ging
es dabei überhaupt? Dass alle Männer gleich sind?
Sind sie nicht! Die Geschichte hat dies bewiesen! Sie raucht
Eine kleine Cheroot-Zigarre, die in mein Gesicht bläst ...

“Nun da die Schläger die Hühnerstange beherrschen, diese
jungen Kehlenaufschlitzer!” Und es singt in mich hinein,
in mich hinein ...

Prahlerische Cowboys in Lederjeans,
unanständige Männer mit Rolex-Uhren gehen
vorbei, fahren vorbei, am alten Arbreut-Platz.
Und Bankkonten in der Schweiz, mit
Koffern voll mit Gold & amerikanischem Geld,
sie stellen sich bei Nacht in einer Reihe auf bei den
mit rotem Teppich ausgelegten
Bank-Nachtschaltern,
Blinkende Neonlichter wie bei einer Strip-Bar, ihr
aufhellendes Lächeln ...”sie wissen nicht mehr was
real ist, sie haben es verloren! Sie verstehen
gar nichts von der Geschichte!”
“Bald werden sie alle in einer Reihe aufgestellt
und erschossen!-
Alle von diesen. Jeder einzelne von ihnen!”

Nun besuchen Andrejev & seine Frau nicht einmal
Die billigsten Restaurants, voll mit Hering
und Flaschenbier ...
Jede Freitag-Nacht können sie es sich gerade
erlauben, sich für eine Sekunde zu setzen ...
“Diese Schläger essen und schlürfen alles
Champagner und Kaviar alles wird
konsumiert, während wir (Wo es irgenwann
Intellektuelle gegeben haben wird).
Künstler Tee trinken ohne Zucker,
Biochemiker, Doktoren, Politbüro, und
wissenschaftliche Männer, Männer von Substanz
nun sind diese der menschliche Abfall und wir
kehren die Straßen! Herr Gorbatschow! Diese Mauer
musste fallen ...! Herr Gorbatschow, schauen sie
was sie getan haben!!!” Herr Gorby diese Mauer
musste fallen ... Wie Humpty Dumpty
Und fiel, sie tats ... zu diesem ... meinem Arsch!
Perestroika, mein haariger Arsch!”

Und nun diese ...
Diese 4-beinigen Tiere haarige Schlägertypen in
Englischem Leder
Kugelköpfige Kugel-Männer, wie Bulldoggen
Gebürstet im kugelsicheren schwarzen Mercedes
fahren zur Seite
Ziehen amerikanische Mädchen in ihre Autos
Schreien sie an, schlagen die Huren
nieder, haben vor nichts Angst! Und niemand
erschiesst sich obendrei gegenseitig auf
Moskau´s Strassen ...
“Nun macht schon” Lasst uns tanzen und spielen!
Gebt uns einen guten Fick nicht wahr!”
Terzo tempo

Mit Andrei gehe ich an Tolstoi´s Haus vorbei
und zurück
Passieren die alten Zuckerfabriken von
1880 und die Kirchen mit den goldenen Turmspitzen,
Wir gingen Nachts wieder mit seinem Hund raus, nach
Mitternacht, glaubte ich zu träumen
dachte an Gurdjeff, Stanislavski, Tolstoi,
Tschaikowsky ... ich glaubte, dass dies einmal
meine Stadt war, diese Leute meine Leute, meine
Geschichte ... Dieser furchtbare Winter in Leningrad ...

Und wir redeten die ganze Nacht hindurch, unterhielten
uns über Philosophie
Als wir uns in einem kleinen Park in der Nähe der
Nervenheilanstalt hinsetzten, erzählte mir Andrei über seine
 Mutter während des Krieges, während der Belagerung
“Sie war eine Ärztin und jeden Tag ertrug sie
die Granaten um zum Hospital zu gehen
und zu arbeiten, ohne Medizin, Bandagen,
Essen - sie arbeitete, die pockennarbigen
Strassen ertragend ...”

Wir reden nur über Gott ...
Und über die Zukunft der Welt,
Der Erde. “Wie erinnerst Du Dich so gut
an Gott?”
Ich frage ihn. Er entgegnet - “Einige Dinge
Können niemals vergessen werden, nicht einmal
wenn sie umgewndelt und verschleiert werden
Mit Schwimmbecken und Turnhallen!
Nicht einmal wenn sie in Formaldehyd
eingelegt werden ...

Du willst die Erde sehen, aber du kannst es
nicht ertragen!
Ihr Geruch, den Gestank von ihr, ihrer
Asche! Überall, der Geruch von toten
Soldaten
Verbrannte Körper, wie ranzige Milch, verdorbenes
Faules mumifiziertes Fleisch ist überall!
Sich zerlegend
Unterhalb dieser Strassen des Schmerzes.

Ich sehe Kartonsärge, bei Nacht, in der
Luft schwebend
Unter jenen
Geisterhaften Staubflocken, die verschwinden & wieder erscheinen
und sie schweben
Über und jenseits unserer Mietshäuser, vorbei
an Tolstoi´s weißem mit Streikposten bewachten Haus...Über
der Stadt, die Blütenstraßen bürstend, grau
rechteckig, Ufo-ähnlich da wir sitzen, Tee & Wodka
schlürfend, auf den Dächern...
Unter diesen goldenen Turmspitzen der
Glänzenden Kirchen gefüllt
Mit bärtigen Ikonen gegenüber dem Fluß
Moskaus, eingefroren, so scheint es
Für immer, sogar in des Sommers
Flachland, aufgegeben mit unbestimmter Absicht,
unbestimmten Brücken, nicht nur diese
Karten, aber mehr, plaziert hinter den direkt gerade hinabliegenden
U-Bahnen, zwei Meilen unterhalb des
schützenden metallischen Himmels...
Wie um Himmelswillen machten sie das, denke
ich, überleben!? Hitler und Napoleon, Ivan
und Stalin...wie? Wie? Wie machten sie
das?

“Brücken,” sagt Tanya, “sind es wie wir
überleben! - Die Brücken die den Himmel von der Erde,
Wasser vom Land trennen, die den Tag von der Nacht
und den Tod sogar vom Leben selbst abschneiden!”
Pontifex! Pontifex! Sogar jetzt bringen mich
die Brücken an die alten Schauplätze ”Schau´ Dir
das an! Dies ist das brandneue Hotel in dem
Clinton, Dein Präsident
Gewohnt hat!” sagt sie “dies ist das KGB-
Gebäude
Mit diesem, ist es, das Auslandsministerium
Des Sports & der Schauspieler! Marcello Mastroianni
kam einmal hierher, nach “La Dolce Vita” &
er wurde heftig geküßt, mit einem Mund voll
Wodka von unserem großartigsten russischen Schauspieler...
Und plapperte und erzählte...Sie sind ein guter Schauspieler
mein Sohn, aber nicht so groß...ha ha ha...
Gut aber nicht so groß!!!”

Ich wollte zu ihr sagen
Ihr sagen “entschuldige mich ich...ich bin keine
Ausländische Delegation von ausländischen Männern! Ich bin
ein Mensch!
Ich will keine Bedürfnisse verhandeln, ich
will keine Frauen oder Butter, Borscht,
Klieb, Schwarzbrot, oder Bolzen, Panzer,
Raketen, U-Boote, Dämme oder
hydroelektrischen Strom, danke aber nein danke
spasibo, spasibo, spasibo
Harasho harasho harasho
Alles was ich hier will, machen will, ist zu sehen und zu
lernen! Um zu verstehen. Um zu lernen.
Ich will diesen...traurigen Ort verstehen...
In dieser...traurigen und lustigen Welt...”

Sasha lacht und läßt das Lachen herausrollen wie
stählerne Kugellager, Millionen, explodierend
über den Neva herüber, eine Schießerei..Millionen
von ihnen quer über den Kreml-Platz und dann
bis zur Welt hinauf, vorüber am Viet-Cong
Monument...wie unerwartet.

Quarto tempo

Stalin hört immer noch zu. Sitzt aufrecht.

Dies alles klingt wie Kohl, Kohl
Kohl in meinem Kopf, “wir müssen uns selbst vor
Diesen neuen Wolga-Bootsbauern
schützen! Stalin schreit, mumifiziert, Schmutz
der von seinem Schnurrbart tropft, diese neuen
Wikinger von heute! Wenn wir überleben sollen! Neues
Russland! Zur Hölle damit. Erschießt sie
alle!”
Neu-Russen! Was sind sie? Dasselbe
Schwein im Schafs-Anzug! Erschießt sie!
Erschießt sie. Bevor es zu spät ist!”

Micha erwischt mich dort durch Beschleunigen
der begleitenden Taxis, noch schüchtern
Zuvor pünktlich
Zigeuner, die so viele Jahrhunderte lang
weitergelebt haben, auf so vielfältige Weise..Sie
haben soviel, was sie uns beibringen können, denke ich. Vom Leben.
Ich sehe wie Tanya ihren Rock bürstet...sich selbst
vorzeigbar machend. Ich bitte sie darum
uns zu begleiten.

“Die Gangster machen in gerade einem Tag 250.000!
Erzählt mir Rajic, sein Schnurrbart läßt
mehr als eine Rede durch...er sieht sonderbar
vertraut aus...
“Die Geister erscheinen immer noch und schweben am
hellichten Tage
Wo die Morde geschahen!” Erzählt er
mir. Er weiß alles. Wo die
Leichen vergraben sind.
Und blickt auf sein Leben wie sonderbare Spiegel
von des Winterpalastes zerbrochener
Klause.

Vor dem Leben selbst hat er keine Angst.
Er erzählt mir, dass in Kiew, am oberen Ende eines
Berges, von jüdischen Leichen ein Stadtbad
gebaut wurde und es zusammenbrach und unterhalb des
massiven Betons..Die verwesenden Körper von
tausenden massakrierten Juden...
tauchten wie lebende geflügelte Würmer auf..
Als wir Solzenhysten und seine Frau
draußen sehen
Stellen sie sich zur Schau wie angemalte Kinderwagen
von der simplen Wahrheit eines sich biegenden Flusses geschlagen
Als wir sie in des Zaren alten Park
tanzen sehen wie L’apres-midi d’un faun
schreit er heraus.

“Oh diese blöden Wiener Walzer!” Und
grinst. Und redet darüber sie alleine in einem
Durchgang zu erwischen...um sie ein oder
zwei Dinge über das Tanzen zu lehren
Als wir sie tanzen sehen, die Nacht
über sie hinweg, in all jenen silbernen Spiegeln
reflektierend....An dem
Rand meiner Augen...seiner Augen, wie
pulverisierte Marmore fallen und klappern und er
lacht einfach und lacht...und dreht sich
weg....

Il quinto tempo

Ich lebe in Moskau auf einer Straße namens
Grigarin
Der erste Kosmonaut im Weltraum in einer
Wohnung, zurück als die Welt groß war
gehörte sie
 Dem Kommandanten des
Ersten sowjetischen nuklearen Unterseebootes..
Ich sitze und esse Reste, eingehüllt in wärmenden
Decken..
“Was würdest Du gerne zum Frühstück essen,
Amerikanski?” fragt Valentina
“Eier” anworte ich. Und bekomme Kabeljaufischköpfe
eingelegt in Öl.
“In Moskau sind die Eier ausgegangen..” zuckt
sie..”Und heißes Wasser..Was sonst” Sie
zuckt mit ihren Schultern..Was gibt es sonst Neues?
Der Staat subventioniert das heiße Wasser für alle
in Moskau, zentralisierte Heizung...was ist da
noch zu erwarten?? Du zahlst in amerikanischen
Dollar in einem Monat
Mein ganzes Gehalt von 2 Jahren...
“Vor dem Sturz...war ich Anwältin...Anwältin-
Managerin in der Ukraine
Von einer Fabrik, mit 20.000 loyalen Arbeitern.
Dann kam der Sturz. Dieser dumme Sturz. Fliiit! Fuut!
Perestroika! Gorbatschow dieser Narr!
Jetzt...nichts...ich komme nach Moskau um
als Hausmädchen zu arbeiten.
Meine Tochter ist eine Dottoressa...für 40
Dollar pro Monat..
Mc Donald’s gibt hunderte amerikanische
Dollar aus...damit man auf
Die Amerikanische Art ißt”

Ich schlafe...Gegenüber einer alten Villa,
mit hohen Mauern, Toren
Über Nacht bewacht von Hunden, ich höre
jene Hunde bellen wuff...ein alter
Zaren-Palast
Der einmal den KGB beherbergte
In einer Nacht wäre er fast verbrannt
Oh Zeichen der Knappheit genommen bei den Stufen! Oh
Leben
Bei der Morgendämmerung! Am Morgen bewege ich mich in
bläulichem Klebstoff.

In der Nacht während ich schlafe..höre ich wuff! Wuff!
Wuff!

Vlada weint im Park für ihre dünnen
Knochen
Bellende Stille und in dem Gestank von
Katzenurin
Erinnert sie sich an die neuen Blätter, vermißt
diese wieder, sie erzählt mir..Gangster
Lassen Kugeln an ihr aus, erzählt sie mir
Sie spricht aus ihren vielen Mündern
Wütend, Fontänen von farbigem Verlassen
Von ihren winzigen unberührten
Brüsten, sie ist nackt..Ihre ersten Patente
sind mit dunklen Streifen ausgewiesen..
In einem Taschentuch von Blut, hat sie
Angst vor Verlusten,
Mit uns zu reden, mit mir, aus Furcht vor den Repressalien
ihrer Chefs, oder dem Chef ihres Chefs - er
läßt sie es spüren hinter dem Ladentisch..Er scheint
sie ganz für sich selbst haben zu wollen.
Wir alle haben es so verdammt einfach wir
Amerikaner!

Ich gehe betrunken auf dem Weg zur Arbeit und
beobachte
Rudel von wilden Hunden wie sie durch die unbeleuchteten
Büros laufen, die Flure haben Platz für Ratten und zerbrochenes
Glas und andere Betrunkene schlafend in diesem Dreck! Ihr
Name, erzählt sie mir, bedeutet Kuppel-der-Kunst,
Zustand der Wahrheit, Kommissariat von Leuten die es lieben
Brokat-Ärmel zu nähen, es gab einmal
eine berühmte Vlada, ich vergesse das, erzählt
sie mir
Und von ihren
Lenden wird sie zerplatzen, die Männer die sie
reinlegen werden
Und in ihrer stillen Wut wird sie
all diese Zeiten essen
Die wir durchgemacht haben!

Vlada weint & bricht mir das Herz
Ihre Mutter bellt zu ihr
In dünnem Geflüster einer pelzig-süßen Stimme
Bei Nacht, nach Mitternacht
Am Telefon, jetzt
Lebt sie mit ihr in einem Raum, zu dem sie
mich bittet
Um anzurufen
Aber nach dem 12. Klingeln aufgibt
Die Wohnung mit 5 Fremden und
einem Stiefvater teilend
& Als ich Moskau verlasse weint sie &
Sagt niemals wieder ein Wort zu mir
Ich
Erinnere mich, dass wir nur Blicke austauschten
Und dann küßte ich
Sie dieses eine Mal auf den Mund am
Türrahmen, Aufwiedersehen sagend
Für immer....

Lenin!
Leichnam!

“Nun ich bin nicht Götter oder Gott wie ein gewöhnlicher
Mann
In einem Bild von zartem Fleisch, dass jeden Tag
schmerzt
Was habe ich ihr anzubieten und nicht zu
nehmen
Zu jedem einzelnen Wechsel der Nacht?”
Lenin! Leichnam! Sage es mir!

Ich frage Dich Genosse, wie sollten wir diese Seele
befreien
Von diesen bleiernen Fesseln, mit solch einem
ewigen Peter-Paul-Gefängnis
Können wir uns dann halten
Oberhalb dieser wieder erstrahlenden Fluten! Diese
Goldgewölbten Turmspitzen! Diese unbeirrten
Kapellen der Bedürfnisse
Der Notwendigkeit! Diese alten gewehre!, und von zerbrochenen
Glocken
Der Begierde, der Begierde...von mushu mushu!

Moskau sitzt bei Nacht in Schauern, auf einer
Decke von
Winzigen Keimen..Von klarem & weiß funkelndem
Staub, Blut schmilzt
Und tropft auf
Schneeflocken in einer weißen
Winternacht

Und hier wo ihre Straßenbahnen rasseln, die
Brücken die sie halten
Standfest zwischenmeinen Füßen, die fernen
Schläge der
U-Bahn erinnern mich wieder daran

An andere Schläge!
Schlag!, Schlag!, den Schlag des Krieges!

Aber wir sind nun vor Schlägen geschützt
Aber Schläge sind überall!

Wie eine Hand, die ihre
Eigenen Finger sticht..

Mein Fahrer Rajic zieht seinen Lada
Herüber & lacht mit seinem moslemischen
Lachen, als er mich sprechen hört...
“Was weißt Du, Du weißt nichts,
Amerikanski, vom Leben oder dem Tod...”

Lamm essend mit zerkleinerten Zähnen und
Mund
Und wieder mit seinen Fingern schreibend...6...
6...6....Kapierst Du es nicht?” signalisiert er und
zwinkert, wieder ein Stalin-Lächeln für mich
Und lacht wieder, tiefer, in dieser Bass
trommelnden Stimme, tiefer
Tha
Tiefer sogar als all die Messer die verwunden
“Lenin war die Bestie...!”
“Ich wollte herausrennen und herausschreien aus
Dieser von Türmchen gekrönten dornigen marsianischen Turmspitzen
von dieser
Hohen kopierten Metropole - “hört auf!” hört auf
mit all diesen

Den Himmel zerreißenden Wolkenkratzern!! Obenauf derer
Sitzt ein fünf-spitziger Pentagon-ähnlicher Stern!!
Von der toten sowjetischen
Nation! Hört auf! Hört auf! Aber niemand beendet
die Rolle der Geschichte. Wir müssen lernen lernen
lernen!

“Wir sind nicht einmal kleine Götter in dieser Welt

Wir sind nicht einmal Männer verglichen mit euch!
Sogar unsere Leben
Sind miniscul, stellen eures in den Schatten im Vergleich
Zu der Größe eurer sehnsüchtigen Traurigkeit!”

Diese sind aber unsere außer-organischen Bedürfnisse.
Warum sollten wir keine
Bedürfnisse haben? Wir sind nur menschliche Ameisen!”

Wir sind winzige liliputanerhafte Flöße
Auf den Strömen der warmen menschlichen
Speicher
Die innerhalb fließen, nun elektrisch
Aufgefüllt mit künstlichem Blut grün
und blau

Deswegen sind wir sowohl Hund als auch Hundefleisch, Kläffer
und Beller
Zerkratzter Terrier und spitzer Leopardenhund
und Knochen-Gräber ebenso!

In der letzten Nacht die ich in Moskau war träumte ich
dass ich zu diesem schrecklichen Platz
Zurückkehrte & ging & saß und ich fühlte
diese Traurigkeit
von süßer
Ruhe, dort neben St. Basilikum wo wir alle
saßen und weinten
Mit
Sasha und Valentina, Und auch Andrei, und
Tanya
& Klein-Vlada & wir zusammen als Freunde wir
spazierten
Marschierten in diesen rechteckigen Kasten hinein
Diesen unter einem Meer von kalten & blauen Kristallen
Und unter einer Pyramide von Tränen
Fanden wir ihn still sitzend
Mit einem Glas Tee und Zucker zwischen
Seinen Zähnen
& Unter einem vergänglichen Himmel schauderten wir
Sprangen zurück
Als er ein bewahrtes Auge in unsere
Richtung drehte..

“Vladimir-Illyich Wach’ bitte auf,
Bald wird eine steinerne schwache Morgendämmerung einschlagen!
“Vladimir-Illyich wach’ auf! Bitte”
Und dieser gefrorene Leichnam
Zwinkerte uns zu und sagte
“Jetzt, jetzt Kameraden was habt ihr
gelernt, was habt ihr wirklich gelernt???

Ich bin wach. Ich bin ständig wach
Dieser Alptraum ist real”
Und einstimmig antworten wir alle:
“Wuff! Wuff! Wuff!”